Die Wasserversorgung im alten Rom |
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Zur Sache
"441 Jahre lang, seit der Gründung ihrer Stadt, gaben sich die Römer mit dem Gebrauch von Wasser zufrieden, das sie aus dem Tiber, aus Brunnen und Quellen schöpften."(1) Demnach ist wohl 312 v. Chr. die erste, 17,6 km lange Fernwasserleitung, die Appia, in die Stadt gelegt worden. Bis zur Mitte des 1. Jahrhunderts nach Chr. stieg die Zahl der Leitungen auf neun, bis zum Jahr 226 nach Chr. auf elf an, bildete insgesamt ein Netz von 500 km Länge und versorgte die Stadt, in der zu Zeiten des Augustus nach realistischen Schätzungen ca. eine Million Menschen lebten, Tag für Tag mit rund 500 000 m3 Wasser. Somit standen jedem Menschen statistisch 500 l Trinkwasser zur Verfügung - "ein Wert, der erst wieder im 20. Jh. - und keineswegs überall - erreicht wird"(2), auch wenn ein großer Teil des Tag und Nacht strömenden Wassers ungenutzt in die Kanalisation floss oder im Boden versickerte. Das Wasser gelangte aus Quellen oder auch stehenden Gewässern sowie aus Flüssen außerhalb Roms in die Stadt. Die längste Leitung (Marcia) überwand eine Strecke von 91,2 km. Die Schwierigkeit beim Bau der Leitungen bestand darin, dass das Wasser nur durch ein regelmäßiges Gefälle in die Stadt fließen konnte, so dass je nach dem Terrain Tunnel durch Berge getrieben, Täler oder Flache Strecken durch leicht abschüssige Aquädukte überbrückt werden mussten und die Errechnung desto schwieriger wurde, je weiter die Zuspeisung von der Stadt entfernt und je geringer der Höhenunterschied war. Bei tieferen Tälern wurden allerdings auch schon zu Zeiten der Römer Druckrohrleitungen benutzt. In der Stadt wurde das Wasser in so genannten Castella Divisorum gesammelt, von denen drei Leitungen abzweigten: Die im Castellum am tiefsten angelegte und deshalb immer mit Trinkwasser versorgte Leitung speiste die öffentlichen Brunnen, die mittlere die Bäder und Thermen sowie den Palast und Freizeiteinrichtungen (Circus, Theater) und die oberste die Privathäuser. Daraus wird ersichtlich, dass die Grundversorgung der Bevölkerung auch bei Niedrigwasser gewährleistet war, die privaten Anschlüsse aber nur bei einem hohen Wasserstand versorgt wurden. Die sozialen Komponenten dieser Wasserversorgung liegen auf der Hand: Grundsätzlich verfügte Rom über einen erstaunlich hohen Standard, der den Menschen ein relativ angenehmes Leben ermöglichte. Der Überfluss an Trinkwasser sorgte dafür, dass alle Menschen ausreichende Wasch- und Reinigungsgelegenheiten hatten und somit die Hygiene grundsätzlich gewährleistet war. Dass die Römer diesem Aspekt besondere Bedeutung beimaßen, zeigt der Umstand, dass bei Verunreinigung eines Brunnentroges 10 000 Sesterzen als Strafe fällig wurden. Trotzdem ließen die Wohnverhältnisse in Teilen der Stadt eine angemessene Hygiene bezweifeln, da der Wassertransport von den meist nahe gelegenen lacus(3) in die oberen Stockwerke der insulae
mühselig und
umständlich war. Über einen Privatanschluss verfügten im Regelfall nur
die domus der Reichen und höchstens das Erdgeschoss der
insulae, obwohl die Römer schon über Pumpen verfügten, die das
Wasser in obere Stockwerke transportieren konnten. Ein weiteres
Problem stellte die Abwasserversorgung dar. Schon seit dem 6./5. Jh.
diente die
Cloaca Maxima der Abwasserbeseitigung. Erweitert und ausgedehnt,
wurde sie am Ende der Republik der Hauptsammler eines die gesamte
Stadt umfassenden Abwassersystems. Aber auch hier gilt dasselbe wie
für die Trinkwasserversorgung: Nur die Häuser der Reichen und niemals
die oberen Stockwerke waren an das System
angeschlossen. Die Folgen schildert recht eindrucksvoll Juvenal: "es
drohn dir der Tode so viel, als, kommst du vorbei, sich öffnen in der
Nacht wachende Fenster. Bete darum und heg den bescheidenen Wunsch nur
im Herzen, dass sie zufrieden, herab nur den breiten Nachttopf zu
schütten."(4) Des Weiteren sorgten
Überschwemmungen des Tibers, der die Abwässer aufnahm, immer wieder
für große Umwelt- und Gesundheitsbelastungen, da all der Schmutz und
die Abwässer in diesen Fällen in die Stadt zurück gespült wurden und
nicht selten "Massenerkrankungen und Tiberüberschwemmungen in dasselbe
Jahr"(5) fielen. So ist die Erklärung Suetons
zu einer der herausragenden Leistungen des Augustus zu verstehen: "Um
den Überschwemmungen Einhalt zu gebieten, ließ er das Bett des Tiber,
das schon lange durch Schutt und Verbauung des Ufers verengt war,
erweitern und reinigen."(6)
Isomorphie wird den Schülern
verdeutlicht, wie ein sowohl für uns als auch für die Römer
alltägliches Problem, das aufgrund unterschiedlicher technischer
Voraussetzungen - z.B. Fehlen der Elektrizität - die Römer vor größere
Probleme stellte als moderne Techniker, auf zum Teil recht ähnliche
Art gelöst wurde wie auch heute noch. Der direkte Bezug zur Lebenswelt
der Schüler ist damit offenbar. Des Weiteren ermöglicht dieses
Beispiel aus dem römischen Alltag einen intensiven Blick in die
Lebenswelt der Römer und illustriert den Schülern anschaulich die
realen Verhältnisse. Exemplarisch wird anhand der Wasserversorgung
sowohl der hohe hygienische Standard und die soziale Komponente der
öffentlichen Wassergrundversorgung einerseits als auch der Kontrast
der Lebenswelt von reichen und armen Menschen andererseits
verdeutlicht. Sehr plastisch bietet sich ein Bild des alltäglichen
Roms, das sich von dem der "Hauptstadt der Welt im Modell"(10)
deutlich abhebt(11). Als weiteres Indiz für die
Eignung dieses Themas soll das besondere Interesse einer siebten
Klasse an technischen Dingen herangezogen werden, die durch einen
hohen Grad der Anschaulichkeit besonders intensiv vermittelt werden
können. Dies stellt zum einen eine Chance, zum anderen eine große
Herausforderung dar, da das Thema Wasserversorgung erst durch die
entsprechenden Materialien und Methoden anschaulich wird. Sicher
eignet es sich nicht dazu, in dieser Alterstufe allein anhand von
Texten aufgearbeitet zu werden(12). Um den
Schülern die Parallelen bzw. Unterschiede zur Gegenwart zu
verdeutlichen, ist eine entsprechend anschauliche Methode ebenso nötig
wie für das Erkennen der Schwierigkeiten, die sich für die Römer
stellten. Vor dem Hintergrund dieser didaktischen Überlegungen wird,
ausgehend von der modernen Wasserversorgung, zum einen die Erarbeitung
des römischen Systems der Wasserversorgung im Mittelpunkt der Stunde
stehen. Dementsprechend technisch wird dieser Teil der Stunde
ausgerichtet sein. Diese Vorgehensweise liefert - wie oben geschildert
- aber auch einen großen Anteil intrinsischer Motivation. Auf dieser
Grundlage sollen schließlich zum anderen die sozialen und ökologischen
Komponenten dieses Systems erarbeitet werden, wozu die Schüler ihr
Wissen nutzen können und sollen, das sie in den letzten
Unterrichtsstunden zu den Wohnverhältnissen in Rom erworben haben. So
werden ihnen sowohl die Notwendigkeit der funktionierenden
Wasserversorgung einer Großstadt zur Verhütung von Seuchen etc.
bewusst als auch die sozialen Unterschiede zwischen arm und reich, die
sich ebenfalls an der Wasserversorgung erkennen lassen. Damit ist das
römische System hinreichend kritisch betrachtet, so dass ihnen im
Vergleich zu heutigen Umständen Unterschiede durchaus bewusst werden.
Sicher wäre es wünschenswert, auch noch eingehend die
Abwasserentsorgung zu betrachten. Allerdings scheint es aufgrund der
umfassenden und zeitintensiven Bearbeitung der Wasserversorgung
unmöglich, beide Aspekte in einer Stunde sinnvoll zu untersuchen.
Zudem würde die Entsorgung nur zu einer Abrundung des Themas führen,
aber keine weiteren didaktischen Ziele mit sich bringen. So scheint es
ratsam, die Entsorgung als didaktische Reserve bzw. als einen Teil der
Hausaufgabe in Form eines darstellenden Textes zu behandeln.
zur weiteren Mitarbeit motiviert. Anhand eines kurzen Textes, den die Schüler auf dem Arbeitsblatt 1 lesen, sollen nun die Verhältnisse in Rom erarbeitet werden. Der Text eignet sich deshalb sehr gut, weil er nicht nur wichtige Informationen über die römische Wasserversorgung enthält, sondern auch weil sich an ihm entscheidende, den Unterricht weiter führende Fragen erarbeiten lassen. So lässt sich thematisieren, warum die Römer mehr auf Straßenbau und Wasserversorgung Wert gelegt haben als auf ästhetische Aspekte. Damit wird den Schülern die Bedeutung der Wasserversorgung für eine Großstadt wie Rom verdeutlicht. Gleichzeitig soll an dem Strabo-Text die Frage nach der Art und Weise der römischen Wasserversorgung entwickelt werden. Die Beantwortung dieser Frage soll in zwei Schritten erfolgen: Zunächst wird den Schülern in einem kurzen, mit Bild, Karte und Rekonstruktionszeichnung illustrierten Lehrervortrag das System der Fernleitungen erklärt. Der Lehrervortrag bietet sich als
Methode förmlich an, da er knapp
und plastisch sehr komplexe Sachverhalte erklären und Informationen
vermitteln kann, die die Schüler sich so nicht oder nur sehr mühsam
selbstständig hätten erarbeiten können. In Partnerarbeit soll anschließend
die Verteilung des Wassers in der Stadt anhand einer Zeichnung untersucht
werden. Dazu erhalten die Schüler ein zweites Arbeitsblatt. Basierend
auf dieser Fülle von Informationen sollen im Unterrichtsgespräch die
sozialen und gesundheitlichen Aspekte der Wasserversorgung betrachtet
sowie die Wohnverhältnisse der ärmeren römischen Bürger problematisiert
werden. Dazu sollen die Schüler ihr in den letzten Stunden erworbenes
Wissen über die Wohnverhältnisse in römischen Mietshäusern einbringen.
Dabei klären sich einerseits die am Anfang der Stunde gestellten Fragen
nach den römischen Verhältnissen, andererseits wird die Beschreibung Strabos kritisch beleuchtet, der behauptet, "dass fast jedes Haus
Wasserbehälter, Rohrleitungen und Wasserhähne in Hülle und Fülle hat".
Abschließend sollen die Schüler zu einem Vergleich mit dem heutigen
System angeregt werden, Parallelen wie Unterschiede nennen und somit
die technischen Leistungen der Römer würdigen. Als didaktische Reserve
bleibt die Behandlung des römischen Abwassersystems. Dazu bietet der
Strabo-Text den passenden Impuls, in dem die Kanäle erwähnt werden,
die das Abwasser in den Tiber leiten. Die Sicherung der erarbeiteten
Ergebnisse könnte durch ein Tafelbild erfolgen, wobei die Übertragung
in die Mappen der Schüler viel Zeit kosten würde. Aus diesem Grund
wird die Sicherung auf einem Folienbild erfolgen, das dynamisch während
der Stunde entsteht bzw. durch einige Stichpunkte aus dem Lehrervortrag
ergänzt werden wird. Diese Folie kann bei knapper Zeit zur nächsten
Stunde allen Schülern kopiert werden. Ebenso könnte bei Zeitmangel
das Ergebnis bezüglich der Wasserverteilung in Rom durch eine schriftliche
Hausaufgabe gesichert werden. |
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Angaben |
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(Heine) |
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